Wer war C. H. Böhm?

Die von Dr. Pilipczuk vom Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe in den 1990er Jahren durchgeführten Recherchen hatten ergeben, weder das Geburts- noch das Todesdatum C. H. Böhms sei infolge kiregsbedingter Verluste in den Meldekarteien des Staatsarchivs Hamburg überliefert. Dies hat sich inzwischen glücklicherweise als ein Irrtum herausgestellt: Laut Einträgen in den Geburts- Heirats- und Todesregistern der Stadt Hamburg kam Christoph Christian Hermann Böhm 1863 in Meiningen als Sohn des Braumeisters Johann Friedrich Böhm und seiner Gattin Mathilde, geb. Kaiser, zur Welt. Er muss spätestens seit Anfang der 1890er Jahre in Hamburg gelebt haben; dies ist durch seine Heirat mit Margaretha Caroline Andresen im Jahr 1891 belegt. Im Heiratsregister wird sein Beruf als Lokomotivführer angegeben, 1896 bei der Geburt seines Sohnes Ernst Wilhelm als Maschinist.

Christoph Christian Hermann Böhm

*   3. Oktober 1863 in Meiningen

†   1. September 1934 in Hamburg

∞   22. April 1891 in Hamburg mit

Margaretha Caroline Andresen

*   15.6. 1862 in Hattstedt bei Husum

†   22. 10. 1942 in Hamburg

   Christoph Christian Hermann Böhm und Margarethe Caroline Böhm; ca. 1905-1910, Fotos: Robert Andresen
 

Aus Einträgen in den Geburts- und Sterberegistern der Stadt Hamburg, im Adress- und Telefonbuch Hamburg sowie Zeitungsanzeigen lässt sich erschließen, dass das Ehepaar Böhm drei (oder mehr) Kinder hatte:

Hermann Fritz Böhm wurde in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1891 geboren und starb bereits am 4. Juli 1902 im Alter von 10 Jahren; in der Traueranzeige danken die Eltern und Geschwister dem Waldzither-Verein von 1899 und dem Altonaer Waldzither-Verein "Elektra" für die Teilnahme bei der Beerdigung und für die Kranzspende. Zudem heißt es, C. H. Böhm, seine Frau und seine Kinder (Plural) würden um ihren Sohn bzw. Bruder trauern; es muss zu diesem Zeitpunkt also mindestens zwei weitere Kinder des Ehepaars Böhm gegeben haben.

Ernst Wilhelm Böhm wurde am 8. 12. 1896 geboren. Er hat offenbar in der väterlichen Fabrik mitgearbeitet, denn er ist ab 1936 im Telefonbuch der Stadt Hamburg als Waldzitherfabrikant verzeichnet; angegeben sind dabei Adresse und Telefonnummer der Firma Böhm (unter C. H. Böhm findet sich nur der kurze Eintrag "s. Ernst Böhm"). Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Firma nach C. H. Böhms Tod zunächst von seinem Sohn weitergeführt wurde. Ernst starb jedoch bereits am 14. April 1935, also kurz nach dem Vater. Im Branchenteil des Hamburger Telefonbuchs findet sich ab 1936 der Eintrag: "'Böhm-Waldzither' u. 'Walddoline' C. H. Böhm Nachlaß Steintorweg 2 b. Hptbhf. Fernsprecher 242375". Trotzdem wird Ernst Böhm in den Telefonbüchern weiter als Waldzitherfabrikant geführt; der letzte Eintrag mit seinem Namen stammt von 1942.

Ab 1928 ist ein Hans Böhm im Haus am Steintorweg 2 mit einer eigenen Wohnung verzeichnet; es ist jedoch unklar, ob er ein Sohn oder anderer Verwandter des Ehepaars Böhm ist (oder auch nicht). Er wird bereits ab 1926 im Telefonbuch Gewerbe als Gastronom (Astra Bierhaus) geführt; dies ist auch durch eine Postkarte aus demselben Jahr dokumentiert. 1937 ist Hans Böhm zudem für kurzte Zeit Inhaber des Hotel Graf Moltke, welches sich im selben Haus befindet wie das Astra Bierhaus - im Nachbarhaus des Böhm'schen Hauses am Steintorweg (allerdings mit Eingang zum Steindamm hin). Der vorherige Inhaber des Hotel Graf Moltke, Gustav Heckel, wohnt ebenfalls jahrelang im Böhm'schen Haus am Steintorweg 2, man kenn sich also. 1938 zieht Hans Böhm zum Mundsburger Damm 40 und wird im Adressbuch noch bis 1943 noch als Hotelier geführt (welches Hotel, ließ sich bisher nicht ermitteln). Wenn Hans Böhm 1938 tatsächlich noch gelebt hat, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er ein Sohn des Ehepaars Böhm war, da 1934 in der Todesanzeige von C. H. Böhm nur dessen Witwe und sein Sohn Ernst (und bei Ernsts Tod nur die Mutter) als Trauernde genannt sind. Dann muss es neben Ernst Böhm allerdings mindestens ein weiteres Kind des Ehepaars Böhm gegeben haben, das vor dem Vater starb, da 1902 beim Tod von Hermann Böhm ja mindestens zwei Geschwister unter den Trauernden waren.

     Die Firma Böhm (bzw. die Gaststätte Schinkenkrug und ihr Inhaber) im Jahr 1936 (nach dem Tod C. H. Böhms)

Margaretha Böhm überlebte offenbar nicht nur ihren Ehemann, sondern auch ihre mindestens 3 Kinder; sie starb am 22. Oktober 1942. Da mehrere ihrer Geschwister gegen Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert waren, zog sich die Ermittlung der erbberechtigten Personen über mehr als ein Jahrzehnt hin; dies ist durch einen Briefwechsel zwischen Roberts Vater John August Andresen und dem Nachlassverwalter des Böhmschen Erbes, dem Häusermakler Edgar Wessendorf dokumentiert. Das Erbe Margarethe Böhms umfasste dabei außer dem (mit knapp 40.000 RM belasteten, im Krieg aber offenbar nicht wesentlich beschädigten) Haus am Steintorweg 2 ein Sommerhaus an der Lübecker Chaussee 169 in Hamburg-Sasel und etwa 500 RM Barvermögen, nicht aber die Waldzither-Fabrik von C. H. Böhm; sie wurde offenbar noch zu Margarethes Lebzeiten an die Firma GEWA veräußert.

   Familie Böhm vor ihrem Sommerhaus in Hamburg-Sasel (Ausschnitt); Datum unbekannt, Foto: Robert Andresen

 

Die Suche des Nachlassverwalters beschränkte sich dabei ausschließlich auf Angehörige der Familie Andresen; in einem Brief von 1951 werden die in den USA lebenden Nachfahren von Margarethes Brüdern Johannes Heinrich und Nicolaus Andresen als die alleinigen Erben genannt. Da aus dem Brief auch hervorgeht, dass ihr in Deutschland (auf Sylt) lebender Bruder Paul Andresen bis zu seinem Tod 1951 das Nießbrauchsrecht an den beiden Häusern besaß, lässt sich schließen, dass Margarethe Böhm dies in ihrem Testament so verfügt hat. Dies legt die Vermutung nahe, dass auch Hans Böhm vor seiner Mutter starb, ohne eine eigene Familie gegründet zu haben (sonst hätte nicht eine testamentarische Verfügung ihrer Mutter greifen können). Erst 1956 waren die Erbschaftsverhältnisse so weit geklärt, dass das Haus am Steintorweg in die Hände Dritter übergehen konnte.