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Die Waldzither, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland Verbreitung gefunden hat, geht möglicherweise auf die Initiative eines einzigen Mannes zurück: des Hamburger Instru-mentenbauers C. H. Böhm. Cistern (oder Zistern), zu denen die Waldzither von der Bau- und Spielweise her gehört, gibt es bereits seit dem Mittelalter, sie waren aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts größtenteils in Vergessenheit geraten (auch wenn sie in Thüringen und im Harz weiter in traditioneller Bauweise gefertigt wurden): Sie waren so sehr vergessen, dass ihr ursprünglicher Name "Zither" sogar auf die im Alpenraum zunehmend Verbreitung findende "Tischzither" übergehen konnte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte C. H. Böhm jedoch eine moderne Form der Cister, bei deren Design und Bauweise er sich von der Guitarra Portuguesa inspirieren ließ (auch dies eine Form der Cister, die allerdings in Deutschland kaum bekannt ist).

Zu den Unterschieden zwischen seinen eigenen Instrumenten und ihren traditionellen Vorgängern schreibt Böhm im Vorwort seines Liederheftes "Grillenscheucher":

"Damals war eine größere Verbreitung nicht möglich, weil man keine solche hell und weich-klingenden Stahlsaiten fabrizieren konnte, auch war man mit der Bauart in Bezug auf Resonanz nicht vertraut genug. Die Saitenspannvorrichtung bestand aus gewöhnlichen Holzwirbeln, der Corpus war groß und gewölbt und daher unhandlich, der Holzsteg wurde durch Glas ersetzt usw. Durch all diese Verbesserungen erlebte dieses Instrument eine Wiedergeburt und wurde vom Patentamt geschützt."

Neu waren somit nicht so sehr die einzelnen Elemente, sondern ihre Kombination in einem Instrument, die eine Produktion und Vermarktung von Waldzithern in größeren Stückzahlen ermög-lichte.
Diese Idee griffen dann andere Instrumentenbauer auf, zunächst in Hamburg, später, in den 1920er und 30er Jahren, aber auch im Vogtland, dem Zentrum der damaligen Zupfinstrumenten-produktion (wobei man freilich oft auf die von Böhm verwendete Fächermechanik und den Glassteg verzichtete und bei ihrer Herstellung auch sonst auf traditionelle Bauformen zurückgriff).

Die Waldzither erfreut sich aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten (nicht zuletzt im Bereich der Folkmusik, aber auch in anderen Musikrichtungen) heute wieder steigender Beliebtheit. Trotzdem ist bisher eine eingehendere Beschäftigung mit C. H. Böhm und seinen Instrumenten ausgeblieben. Diesem Mangel soll auf den folgenden Seiten ein Stück weit entgegengewirkt werden: Ihr Ziel ist es, die Entwicklung der Waldzithern von Böhm von der Gründung der Firma im Jahr 1897 bis zu ihrem vermuteten Ende im Jahr 1942 zu rekonstruieren und dabei auch die enorme Vielfalt der Instrumente zu dokumentieren. Die Waldzithern der Firma GEWA, die die Firma Böhm (vermutlich) 1942 aufkaufte und bis in die 1960er Jahre hinein weiter echte "Böhm-Waldzithern" produzierte, werden hierbei nur am Rande erwähnt, sie sind auf einer eigenen GEWA-Website dokumentiert.

Grundlage für das auf den folgenden Seiten Präsentierte sind etwa 300 Böhm-Waldzithern, die ich fotografisch dokumentierten konnte (Internet, Sammlungen etc.), sowie der Abgleich der Merkmale dieser Instrumente mit den folgenden Quellen:

- Böhm-Kataloge von 1912, 1926 und 1929 sowie eine Preisliste von 1934,

- Adress- und Telefonbücher der Stadt Hamburg,

- Geburts- Heirats- und Sterberegister der Stand Hamburg,

- Einträge zu C. H. Böhm in der Zeitschrift für Instrumentenbau,

- Zeitgenössische Postkarten mit Bezug zu Böhm und seinen Waldzithern,

- Material aus dem Privatbesitz von Robert Andresen (USA), Großneffe von C. H. Böhms Ehefrau Margarethe Caroline Andresen,

- die Beschreibung von Böhm-Instrumenten in den folgenden Katalogen:

  • H. Heyde: "Historische Musikinstrumente der Staatlichen Reka-Sammlung im Bezirksmuseum Viadrina Frankfurt/Oder", Leipzig 1989,

  • R. Malhotra und A. Pilipczuk: "Museum für Kunst und Gewerbe: Die Jugendstilsammlung 2", Hamburg 1996,

  • A. Michel, L. Schmidt und J. C. Dentler: "Musikinstrumentensammlung Herbert Grünwald - Zistern", Sonderausstellung Suhl 2011.

Eine weitere Quelle ist besonders zu erwähnen, nämlich das Buch von Martina Rosenberger: "Das Waldzither-Puzzle  Teil 2: Die Waldzither in Hamburg", Krumbach 2005 (hier die elektronische Fassung zum Herunterladen von Martinas Seite). Diese wertvolle Publikation stellt den bisher einzigen Versuch dar, ausführlicher Auskunft über C. H. Böhm und die von ihm gebauten Instrumente zu geben. Sie ist auch der Ausgangspunkt der hier vorgetragenen Analysen, zum Beispiel des Versuchs einer zeitlichen Einordnung der Instrumente mit Hilfe der Etiketten (wobei sich die in diesem Heft erarbeitete Chronologie zu 100% bestätigt). Für ihr Waldzither-Puzzle standen Martina jedoch nur Fotos von 20-30 Böhm-Instrumenten zur Verfügung, das Bild, das sich jetzt ergibt, ist daher deutlich differenzierter, als sie es auf Basis des ihr zugänglichen Materials hat zeichnen können. Ein weiterer Aufsatz von Martina Rosenberger soll nicht unerwähnt bleiben: "Die deutsche Cister - die enge Verknüpfung eines Instruments mit der techni- schen Entwicklung seiner Stimmvorrichtung" (Erfinder Visionen 1/2011, 24-25).

Da keine Unterlagen der Firma Böhm überliefert sind und auch sonst nur wenige zeitgenössische Quellen zur Verfügung stehen, lässt sich weiterhin vieles nur vermuten; oft gibt es nur Indizien, die interpretiert werden müssen und Anlass zu Mutmaßungen geben. Das gilt für die Schlussfol-gerungen auf Basis der gesammelten Fotos von Böhm-Instrumenten, aber auch für die Datierung durch Vergleich mit extern überprüfbaren Daten. Wie lange hat es zum Beispiel gedauert, bis Böhm eine neue Telefonnummer auch auf seine Zettel gedruckt hat? Warum finden sich auf einigen Zetteln schwarze Balken und was verdecken sie? Hier sind oft nur Vermutungen möglich, so dass für alle Datierungen auf dieser Basis ein gewisser Spielraum anzunehmen ist. Genauer geht es eben nicht, aber letztlich wird es bei den meisten Dingen auf ein paar wenige Jahre auch nicht ankommen.

Vollständigkeit und hundertprozentige Exaktheit wird daher auch für das hier Präsentierte nicht beansprucht, im Gegenteil: Diese Website versteht sich ausdrücklich als "Work in Progress". Jedes Böhm-Instrument, das jemand im Keller oder auf dem Dachboden findet, jede Postkarte eines Hamburger Waldzither-Vereins, jede bisher noch nicht bekannte Preisliste oder jeder neue Böhm- Katalog kann Informationen beinhalten, die helfen können, die hier präsentierten Erkenntnisse zu ergänzen, zu korrigieren oder zu präzisieren. (Die von Böhm herausgegebenen Waldzither-Schulen und die Liederhefte namens "Grillenscheucher" sind bekannt, hier wären allerdings ebenfalls frühe Exemplare von vor 1910 von Interesse.) Sollte daher jemand Kenntnis von etwas haben, das eine Ergänzung der Korrektur zu dem hier Präsentierten darstellen kann, bitte unbedingt melden: Ich freue mich über jede Nachricht! 

Mein Dank gilt dem Verein der Freunde und Förderer der Waldzither e.V., bei dessen Cistern-Symposium im Herbst 2015 ich die Ergebnisse meiner Recherchen prästentieren und mit einem fachkundigen Publikum diskutieren konnte.

Eine letzte Bemerkung zu dem hier präsentierten Datenmaterial: Wo immer es möglich war, habe ich auf Bilder zurückgegriffen, die ich selbst angefertigt habe oder bei denen ich zuvor die Zustimmung des Autors eingeholt habe. Mein besonderer Dank gilt daher Robert Andresen, Klaus Augustin, Jürgen Clauß, Gerlinde und Gerhard Grünwald, Hermann Harriehausen, Dave Hynds, Panagiotis Poulopoulos, Martina Rosenberger, Jörg Schillinger, Andreas Wetzel und Birgit Wyrowski, die mich ihre Böhm- Instrumente haben begutachten und fotografieren lassen oder die mir Fotos ihrer Instrumente sowie anderes Material zur Verfügung gestellt haben. Einiges ließ sich aber nur anhand von Bildern dokumentieren, die ich im Internet gefunden habe und deren Autoren ich nicht kenne. Sollte irgend jemand auf diesen Seiten ein Bild finden, dessen Rechte er besitzt und von dem er oder sie nicht möchte, dass es hier gezeigt wird, so bitte ich um eine kurze Nachricht, dann entferne ich das Bild wieder (vgl. auch die unten im Impressum angefügten Hinweise zum Urheberrecht). 

Norbert Feinendegen

Bonn

Thema: Die Waldzithern von C. H. Böhm

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