Modell Nr. 4

Auch das Modell Nr. 4 hat, obwohl Böhm hier offenbar auch in kriegsbedingten Mangelzeiten nicht an den Intarsien spart, im Laufe der Zeit einige Veränderungen erfahren. Welche dieser Veränderungen aus ästhetischen Gründen geschahen und welche auf das Material zurückzuführen sind, das Böhm für seine Intarsien von außen dazu kaufte, lässt sich allerdings schwer sagen.

Besonders auffällig ist die Veränderung in der Randgestaltung, hier weist die allererste Nr. 4 (welche dem Etikett nach zu urteilen nicht vor 1905 gebaut sein dürfte), ein deutlich anderes Muster auf. Dieses leider nur unvollständig erhaltene Instrument ist auch deshalb sehr interessant, weil C. H. Böhm sich für ein frühes Portraitfoto mit einem Instrument von genau diesem Typ abbilden ließ. Bereits ein kurz danach entstandenes Instrument weist nicht mehr diese Randgestaltung aus S-förmigen Intarsien auf, sondern eine Art Mäander, welches dann alle nachfolgenden Waldzithern Nr.4 ziert (und das bei den Instrumenten ab Mitte der 1920er Jahre etwas kleiner ausfällt).

Im Übrigen weist diese allererste Nr. 4 bereits dieselben Merkmale auf wie die anderen heute bekannten Exemplare bis etwa 1920. Die später gebauten Instrumente weisen demgegenüber kleine Veränderungen im Design auf: Auf der Rückseite ändert sich sowohl die Gestaltung der Randintarsien als auch der Mittelleiste; auf der Front werden die aus Klötzchen aufgebauten Ringe um das Schallloch herum durch das bekannte Fischgrätenmuster abgelöst. Die Intarsien auf dem Griffbrett verändern sich ebenfalls leicht (nachdem der Pfeil zwischen Bund 6 und 7 bereits früher die Richtung getauscht hatte). Die  Schmetterlinge  auf der Spielplatte (welche übrigens auch bei Böhm- Konkurrent Becker zum Einsatz kamen) sind offensichtlich alle individuell gestaltet; die Spielplatte selbst ist nach 1920 wie bei Nr. 3 nicht mehr aus Schildplatt, sondern aus schwarzem Holz. Das Holz von Rückseite und Zargen wechselt nach dem Krieg wie auch bei Nr. 2 und Nr. 3 von Rio-Palisander zu indischem Palisander.

Die Mechaniken und Saitenhalter der Nr. 4 entsprechen für gewöhnlich den Modellen, die zu dieser  Zeit auch bei den anderen Böhm-Waldzithern Verwendung fanden, auf Kundenwunsch hat Böhm hier aber offenbar auch bei späteren Instrumenten noch hohe portugiesische Schrauben verwendet, die sonst eigentlich nur bis etwa 1905 zum Einsatz kamen. Wie oft dies der Fall war, lässt sich angesichts der wenigen bisher bekannten Exemplare nicht sagen.